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Delmenhorst im Wandel der Zeit

Um 1234 erwarb der Oldenburger Graf Otto I einen Horsthof an der Delme der den Namen "de Horst" trug. Dieser Horsthof, der voraussichtlich um 1247 Standort der Burg Delmenhorst wurde gilt als Keimzelle der Stadt. Der Name Delmenhorst wird erstmalig in einer Urkunde von 1254 erwähnt.

Die Delmenhorster Grafen entstammen einer Nebenlinie des Oldenburger Grafengeschlechts. Sie nannten sich anfangs auch nur "Grafen von Oldenburg und Delmenhorst", um die Erbansprüche auf beide Grafschaften hervorzuheben.

Graf Otto II (1278-1303), Begründer der älteren Linie Delmenhorst, machte die Burg zu seiner Residenz und ließ sich von der Oldenburger Sippschaft die Regentschaft in der sogenannten "Herrschaft Delmenhorst" zusichern. Während der Regentschaft dieser älteren Linie wurde am 15. Juni 1371 den Bewohnern des Ortes Delmenhorst das Stadtrecht nach Bremer Recht verliehen.

Mit dem Freiheitsbrief, der Delmenhorst zur Stadt erklärte, wurden den Alt- und NeubürgerInnen gewisse Freiheiten in punkto Selbstverwaltung zugestanden.


Graf Otto II.

Der letzte Graf der älteren Linie war Graf Nikolaus von Delmenhorst. Im Jahre 1421 ließ er sich aus Geldnot zum Erzbischof von Bremen wählen und übertrug dafür Delmenhorst dem Erzstift. 1436 mußte Graf Nikolaus abdanken und schloß einen Vertrag mit Graf Dietrich von Oldenburg. Daraufhin wurde Delmenhorst wieder mit Oldenburg vereint.

Der jüngste Sohn des Grafen Dietrich, Graf Gerd, übernahm nach dessen Tode die Regentschaft. Graf Gerd machte sich aber vor allem als Straßenräuber einen Namen. Nach der Belagerung der Burg Delmenhorst im Jahre 1482 unter der Führung des Bischofs von Münster, dankte Graf Gerd zugunsten seiner Söhne ab. Die Grafschaft Delmenhorst fiel an Münster.

Erst 1547 gelang es dem Grafen Anton I die Burg und Grafschaft von Münster zurückzugewinnen. Von den Grafen der jüngeren Linie war Graf Christian der letzte Regent der Grafschaft Delmenhorst. Als er 1647 ohne Erben starb, wurde Graf Anton Günther neuer Herrscher und Delmenhorst aufgrund eines Erbvertrages mit Oldenburg verbunden.

Nach seinem Tode standen die Grafschaften, mangels Erben und aufgrund der Verbindungen zum dänischen Königshaus (Christian der älteste Sohn des Grafen Dietrich wurde 1448 zum König von Dänemark gewählt) unter dänischer Regentschaft.

1767 wurde Delmenhorst für ein paar Tage "russisch". Keine geringere als die russische Zarin Katharina II erwarb die Grafschaft vom dänischen Königshaus. Nach Inkrafttreten des Vertrages im Jahre 1773 verzichtete der russische Großfürst Paul zugunsten des Fürstbischof Friedrich August von Lübeck auf die Grafschaft, die dann 1777 zum Herzogtum Oldenburg erhoben wurde.

1806 besetzten, von französischen Generälen in Marsch gesetzte, holländische Truppen das Herzogtum. Von 1811 bis 1813 war das Herzogtum Oldenburg unter Napoleon ein Teil des französischen Kaiserreiches.


Wappen von 1447

Der industrielle Aufschwung in Delmenhorst begann mit der Inbetriebnahme der neuen Eisenbahnlinie Bremen-Oldenburg-Wilhelmshaven im Jahre 1867.

Da Bremen bis 1888 nicht zum deutschen Zollgebiet gehörte und deswegen Zollabgaben für alle Fertigwaren entrichten mußte, die von Bremen aus in das Reich gingen, verlegten die Bremer Kaufleute ihre industriellen Unternehmungen auf das Bremer Umland.

Das erste größere Werk in Delmenhorst war die 1871 gegründete Jute Spinnerei und Weberei. Ihr folgte 1882 die "Delmenhorster Linoleumfabrik". 1884 wurde dann die größte Delmenhorster Fabrik, die "Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei" gegründet. Im Laufe dieser Zeit entwickelte sich Delmenhorst zu einer pulsierenden Industriestadt. Die Einwohnerzahl stieg in den Jahren 1871 bis 1900 um das Vierfache.

Am 1. Mai 1903 wurde Delmenhorst unter Bürgermeister Erich Koch als Stadt "erster Klasse" kreisfrei. Von da an vollzog sich die Umwandlung der Stadt in einem rasantem Tempo. Als Erich Koch 1909 Delmenhorst verließ, hatte die Stadt eine Kanalisation, eine Wasserversorgung, ein Gaswerk und ein Elektrizitätswerk. Es gab beleuchtete Straßen und es entstanden über hundert neue Straßenzüge, neue Siedlungen und ganze Ortsteile wie Düsternort, Schafkoven, Fuhrenkamp und die Wohnviertel in Hasport und am Moorweg.

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1931 erleidete die wirtschaftliche Entwicklung in Delmenhorst durch den ersten Konkurs der Nordwolle einen schweren Rückschlag. 1933 vergrößerte sich die Stadt durch die Eingemeindung von Annenheide, Annenriede, Bungerhof, Iprump und Stickgras.

Im November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt. Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg hinterließen deutliche Spuren. Nach den Kriegsjahren begann in Delmenhorst der Wiederaufbau. Aufgrund der Flüchtlingsbewegung entstand eine Wohnraumknappheit die durch groß angelegte Bauprojekte behoben wurden. Dadurch entstanden zahlreiche Siedlungen und auch neue Stadtteile.

Nach der Währungsreform im Jahre 1948 stieg auch die Zahl der Beschäftigten wieder rapide an. Dieses lag in erster Linie an der wiedererstarkten Industrie, die vor allem in den Bereichen Metall, Wolle, Textil, Lebensmittel und Linoleum einen internationalen Bekanntheitsgrad erlangten. In den Zeiten des "Wirtschaftswunders" entwickelte sich Delmenhorst zu einer pulsierenden Stadt, deren Bevölkerungszahl (1950 lebten 57.300 Menschen in Delmenhorst - 1940 waren es 36.600) ständig zunahm.

Seit den 60er Jahren nahm die Zahl der Arbeitsplätze kontinuierlich ab. Die produzierenden Betriebe waren langfristig der Konkurrenz aus den sogenannten Billiglohnländern nicht mehr gewachsen. Der Niedergang des produzierenden Gewerbes endete schließlich im endgültigen Konkurs der Vereinigten Kammgarnspinnerei (ehemals Nordwolle).

1986 entstand auf dem Gelände der Nordwolle ein neuer Stadtteil in Verbindung mit denkmalgeschützter Bausubstanz und moderner Bebauung. Auf diesem Gelände wurde der Grundgedanke von "Wohnen und Arbeiten" wieder aufgegriffen und die Nordwolle entwickelte sich wieder zur "Stadt in der Stadt".

Zur Expo2000 präsentiert sich das beispielhafte Stadtentwicklungs-Projekt "Nordwolle Delmenhorst" als erster Außenstandort der Weltausstellung EXPO2000. Zahlreiche neue Projekte belegen den Strukturwandel der Stadt von der Industrie hin zur Dienstleistungsgesellschaft.


Erich Koch


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