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Der industrielle Aufschwung in Delmenhorst begann mit der Inbetriebnahme der
neuen Eisenbahnlinie Bremen-Oldenburg-Wilhelmshaven im Jahre 1867.
Da Bremen bis 1888 nicht zum deutschen Zollgebiet gehörte und deswegen
Zollabgaben für alle Fertigwaren entrichten mußte, die von Bremen aus
in das Reich gingen, verlegten die Bremer Kaufleute ihre industriellen Unternehmungen
auf das Bremer Umland.
Das erste größere Werk in Delmenhorst war die 1871 gegründete
Jute Spinnerei und Weberei. Ihr folgte 1882 die "Delmenhorster Linoleumfabrik".
1884 wurde dann die größte Delmenhorster Fabrik, die "Norddeutsche
Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei" gegründet. Im Laufe dieser
Zeit entwickelte sich Delmenhorst zu einer pulsierenden Industriestadt. Die Einwohnerzahl
stieg in den Jahren 1871 bis 1900 um das Vierfache.
Am 1. Mai 1903 wurde Delmenhorst unter Bürgermeister Erich Koch als Stadt
"erster Klasse" kreisfrei. Von da an vollzog sich die Umwandlung der
Stadt in einem rasantem Tempo. Als Erich Koch 1909 Delmenhorst verließ,
hatte die Stadt eine Kanalisation, eine Wasserversorgung, ein Gaswerk und ein
Elektrizitätswerk. Es gab beleuchtete Straßen und es entstanden über
hundert neue Straßenzüge, neue Siedlungen und ganze Ortsteile wie Düsternort,
Schafkoven, Fuhrenkamp und die Wohnviertel in Hasport und am Moorweg.
Aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1931 erleidete die wirtschaftliche Entwicklung
in Delmenhorst durch den ersten Konkurs der Nordwolle einen schweren Rückschlag.
1933 vergrößerte sich die Stadt durch die Eingemeindung von Annenheide,
Annenriede, Bungerhof, Iprump und Stickgras.
Im November 1938 wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt.
Das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg hinterließen deutliche Spuren.
Nach den Kriegsjahren begann in Delmenhorst der Wiederaufbau. Aufgrund der Flüchtlingsbewegung
entstand eine Wohnraumknappheit die durch groß angelegte Bauprojekte behoben
wurden. Dadurch entstanden zahlreiche Siedlungen und auch neue Stadtteile.
Nach der Währungsreform im Jahre 1948 stieg auch die Zahl der Beschäftigten
wieder rapide an. Dieses lag in erster Linie an der wiedererstarkten Industrie,
die vor allem in den Bereichen Metall, Wolle, Textil, Lebensmittel und Linoleum
einen internationalen Bekanntheitsgrad erlangten. In den Zeiten des "Wirtschaftswunders"
entwickelte sich Delmenhorst zu einer pulsierenden Stadt, deren Bevölkerungszahl
(1950 lebten 57.300 Menschen in Delmenhorst - 1940 waren es 36.600) ständig
zunahm.
Seit den 60er Jahren nahm die Zahl der Arbeitsplätze kontinuierlich ab.
Die produzierenden Betriebe waren langfristig der Konkurrenz aus den sogenannten
Billiglohnländern nicht mehr gewachsen. Der Niedergang des produzierenden
Gewerbes endete schließlich im endgültigen Konkurs der Vereinigten
Kammgarnspinnerei (ehemals Nordwolle).
1986 entstand auf dem Gelände der Nordwolle ein neuer Stadtteil in Verbindung
mit denkmalgeschützter Bausubstanz und moderner Bebauung. Auf diesem Gelände
wurde der Grundgedanke von "Wohnen und Arbeiten" wieder aufgegriffen
und die Nordwolle entwickelte sich wieder zur "Stadt in der Stadt".
Zur Expo2000 präsentiert sich das beispielhafte Stadtentwicklungs-Projekt
"Nordwolle Delmenhorst" als erster Außenstandort der Weltausstellung EXPO2000.
Zahlreiche neue Projekte belegen den Strukturwandel der Stadt von der Industrie
hin zur Dienstleistungsgesellschaft.
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